Lese - Rechtschreibschwäche

Legasthenie

LRS

 

Die Abkürzung LRS für Lese-Rechtschreibschwäche (Lese-Rechtschreibstörung) ist der heute gängige Oberbegriff für Probleme mit dem Schriftspracherwerb. Das Fremdwort dafür ist Legasthenie. Leider entstehen durch neuere Unterscheidungen hier immer wieder Missverständnisse. Der in den Schulen mitunter auftauchende Begriff der Lese-Rechtschreibschwäche soll ein geringeres Problem umschreiben als eine Lese-Rechtschreibstörung.

 

Eine Legasthenie ist definiert als der genügend große Unterschied zwischen der Intelligenz einerseits und der Lese-/Schreibleistung andererseits. Diese einfache Definition beinhaltet keine Aussagen über Ursachen oder gar einzelne Fehlerarten. Es geht nur darum, einen Unterschied zwischen zwei Leistungsbereichen festzustellen. Mit den heute vorhandenen Testverfahren ist das meist kein Problem, auch wenn man sicher über Intelligenzmessung viel diskutieren kann.

 

Legastheniker machen also nicht ganz bestimmte Fehler, an denen man sie erkennen könnte, sie machen alle möglichen Fehler und davon recht viele. Trotzdem gibt es bestimmte Fehlerarten, die bei Legasthenikern häufiger vorkommen als bei anderen Menschen. Auf diese möchte ich im Folgenden kurz eingehen.

 

1.    Fehler der Wahrnehmungstrennschärfe

Manche Laute der deutschen Sprache sind schwierig zu unterscheiden. Dies betrifft insbesondere die harten und weichen Plosive, also b/p, d/t und g/k. Aber auch andere Laute können verwechselt werden, zum Beispiel k/t oder d/g. Die hörbare Unterscheidung dieser Laute liegt in einer sehr hohen Frequenz, die zudem nur sehr kurz ist. Um also den Unterschied zwischen Tasse und Kasse hören zu können, muss ich sehr schnell einen hohen Ton wahrnehmen. Das fällt vielen Legasthenikern schwer. Es hilft ihnen auch nicht, den Unterschied erklärt zu bekommen, man kann so etwas nicht erklären. Oder können Sie einem von Geburt an Blinden die Farbe Rot erklären?

Bei manchen Lauten ist eine Unterscheidung deshalb schwierig, weil der Ort der Lautbildung gleich ist. Dies gilt insbesondere für die Laute von b und w (Ort der Lautbildung: Lippen) und ch und r (Ort der Lautbildung: Rachen; dies betrifft das ch wie im Wort Dach, im Wort Milch wird das ch am mittleren Teil des Gaumens gebildet).

 

2.    Fehler der Wortdurchgliederung

Die hörbaren Laute eines gesprochenen Wortes folgen sehr schnell hintereinander. Manchen Legasthenikern fällt es schwer, die Laute in der richtigen Reihenfolge wahrzunehmen. Dies betrifft insbesondere Konsonantenhäufungen. So ist das / in dem Wort Glocke schwierig zu lokalisieren. Manchmal werden bestimmte Laute auch gar nicht identifiziert. (Wenn Sie sich das nicht vorstellen können, versuchen Sie mal einen Satz in der Klick-Laute-Sprache einiger afrikanischer Stämme nachzusprechen...) Hier ist es hilfreich, die Worte in Silben zu unterteilen. Bedauerlicherweise leiden einige Legastheniker zudem unter einer

 

3.    Rhytmisierungsschwäche

Und das bedeutet, dass ihnen das natürliche Gefühl für Silben leider fehlt. Während die meisten von uns intuitiv - ggf. unter Zuhilfenahme von Klopf- oder Klatschzeichen - fast alle Wörter der deutschen Sprache richtig trennen, fällt dies von einer solchen Schwäche betroffenen Menschen schwer. Natürlich unterliegt die Silbentrennung strengen Regeln (schließlich sind wir in Deutschland!), aber um die nutzen zu können, muss ich wissen, wie das Wort geschrieben wird. Und hier beißt sich nun die sprichwörtliche Katze in den Schwanz!

 

4.    Merkfehler

Es gibt Phänomene der Rechtschreibung, die man dem gesprochenen Wort nicht anhört. Dies betrifft insbesondere das Dehnungs-h, aber natürlich auch die Schreibung von Fremdwörtern. Nun sicher, diese Dinge müssen wir uns alle merken, für viele Legastheniker kommt hier aber erschwerend hinzu, dass

  • sie sich auch schon viele Wörter merken mussten, deren Schreibung wir hören;
  • viele von ihnen eine Merkschwäche haben;
  • sie die betreffenden Wörter schon in vielen verschiedenen Schreibungen gesehen haben (nämlich in ihren eigenen Aufzeichnungen);
  • viele von ihnen eine fürchterliche Handschrift haben und deshalb auch bei richtiger Rechtschreibung ein Wort nie zweimal gleich aussieht.

5.     Raum-Lage-Störung

Während es bei Gegenständen egal ist, ob man sie von vorne oder von hinten sieht oder ob sie auf dem Kopf stehen, ist dies bei Buchstaben gerade nicht der Fall. Die Lage der Buchstaben ist entscheidend. Das betrifft natürlich in erster Linie b und d, was vielen Schulanfängern eine Zeit lang Schwierigkeiten bereitet. Einige haben auch Probleme bei der Unterscheidung von a und e oder a und o. Solche Hürden am Beginn des Lese-Schreiberwerbs können dazu führen, dass das Kind eine gewisse Beliebigkeit erfährt (oder zu erfahren glaubt) und mit Verwirrung reagiert. Diese Verwirrung zieht dann weitere Fehler nach sich.

 

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen:

1. Nicht jedes Kind, das die oben beschriebenen Fehler macht, ist Legastheniker!

2. Nicht jeder Legastheniker macht die oben beschriebenen Fehler!

 

Die bis hierher beschriebenen Fehlerarten lassen sich unter der Überschrift Wahrnehmungsfehler zusammenfassen. So unterschiedlich sie sind, so ist ihnen eines gemeinsam: normales Üben hilft nicht! Sie lassen sich nicht weg-erklären. Kinder mit Schwierigkeiten in diesen Bereichen brauchen eine spezielle Förderung. Für diese Förderung sind nur entsprechend geschulte Fachleute geeignet. Zumindest kommt für die betroffenen Kinder auch nur eine Einzelförderung in Betracht, in Gruppen kann auf die beschriebenen Probleme nur begrenzt eingegangen werden.

 

Ob nun Legasthenie oder nur eine einfache Schwäche, in der sozialpädagogischen Praxis erhalten betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene kompetente Hilfe. Dabei wird gezielt an den jeweiligen Schwächen gearbeitet, vorhandene Ressourcen werden zur Kompensation eingesetzt und gestärkt.

Unsere Unterstützung erhalten Sie in Bad Schönborn für den Großraum Bruchsal und in Bretten.